16. März 2017

Mit Einkaufskarre ins Teatro Italia


Kurz vor Jahresschluss, am 28.12.2016, eröffnete ein neuer Lebensmittelsupermarkt in Venedig und schon wenige Tage später erreichten mich auch die ersten Berichte von Korrespondent*innen (die bekannten Winter-Appassionati!). So begeistert wie überrascht! 

Scheinbar ohne Aufsehen zu erregen (auch nicht meins, als ich im November eine Woche lang täglich den Campiello della Anconetta überquerte) und auch zur Verwunderung von Einwohner*innen wie Bloggerkollegin Cat Bauer  wurde das Teatro Italia in gut einjähriger Arbeit restauriert und konvertiert in einen Despar-Lebensmittelmarkt. Das Gebäude stand jahrelang ungenutzt, zuletzt diente es der Universität Ca' Foscari als Unterrichtsraum.





Das neugotische Juwel, erbaut 1916 (unter Verwendung von Stahlbeton!), ist einer der wenigen Theater- und Kinosääle Italiens, die komplett inklusive aller Innendekorationen erhalten sind. Die vier Eingangsportale und die Kunstschmiedearbeiten der Geländer und Kronleuchter sind von Umberto Bellotto, die Dekoration der Wände und der Decke von Pietro Marussig

Für die Restaurierung verantwortlich zeichnet das Büro Alberto Torsello, das z. B. auch die Scuola Grande della Misericordia so beeindruckend restaurierte. Die vorgeschlagene Zwischendecke in dem hohen Theatersaal genehmigte die Denkmalschutzbehörde nicht, um die Einheit des Gebäudes zu erhalten. Gegen die Nutzung als Supermarkt gab es keine Einwände, auch nicht gegen die mögliche Nutzung der Galerien, die als Mezzanin über dem Zentralraum integriert sind. 

Die Restaurierungsarbeiten von Fassade, Dach und Innenausstattung wurden von der Firma Stetten ausgeführt. Zum Schutz des Gebäudes gehört der Einsatz ökologischer Systeme, die die Kühlung mit der Heizung verbinden und die Luftfeuchtigkeit trotz der vielen Kühl- und Tiefkühleinheiten konstant halten. 

Ich hatte dank meiner winterlichen Venedig-Abstinenz noch nicht das Vernügen, eine Einkaufskarre durch die ganze Pracht zu schieben. Aber wer jetzt seinen/ihren Frühlingsbesuch in Venedig macht, sollte sich das nicht entgehen lassen. Kostenlose Zugabe zum Warenkorb.


Ergänzung 20.3.


Es hat sich hinter den Kulissen dieses Blogs eine Diskusssion über das Fotografieren im Despar-Markt entwickelt. Die ersten Korrespondent*innenberichte, mit wunderbaren Fotos ausgestattet (nochmals vielen Dank!), warnten vor Veröffentlichung der Fotos wegen des Fotoverbots. Große Verbotsschilder seien am Eingang angebracht. Neueste Berichte, siehe unter 'Kommentare' (und ebenfalls mit informativem Fotoanhang), verkündeten dagegen Fotoerlaubnis.


Heute Nacht gab es eine neue Nachricht, die für mich die Fotofrage entscheidet, ich füge sie an dieser Stelle ein:

Hallo Brigitte!
Vielen Dank für den guten Beitrag über das Teatro Italia. Ich war zwar bei meinem Besuch neulich nicht in den chorus-Kirchen. Aber ich habe dreimal im Teatro Italia eingekauft und dabei zweimal fotografiert. Natürlich sind die Ladeneinbauten störend, aber die Restaurierung ist gut und man kann sich alles in Ruhe ansehen und: fotografieren. Alle sehr nett. Seit 30 Jahren wollte ich mir das ansehen: ganz wunderbar. Dieser wunderbare Misch-Masch aus historistischer Architektur und Jugendstil-Fresken, mit allen möglichen sonstigen Einflüssen, ist auch eine Mischung aus Leichtigkeit und Ernst.

In einer Antwort wird darauf hingewiesen, daß man am Ausgang seinen scontrino scannen muß, damit sich die Schranke öffnet. Das stimmt. Es gibt nämlich auch Selbstbedienungs-Kassen und sie wollen es Dieben nicht zu leicht machen. Hat man nichts gekauft, öffnet einem die "security" von Hand die Schranke. Eben jene security sagte mir zudem, daß die Empore wohl auch weiterhin geschlossen bleiben wird. Die Betreiber hätten (bisher) keine Genehmigung für Publikumsverkehr erhalten - warum auch immer.

Ich schicke dir auch einige Fotos, die ich dort gemacht habe. Da bekommst du vielleicht noch einen besseren Eindruck. Einige Fotos sind schief, was daran liegt, daß ich das Fisheye-Objektiv erst seit letztem Jahr habe. Echt schwieriges Teil. Aber irgendwann lerne ich es.
cordiali saluti,
Andreas


Herzlichen Dank für Information und Fotos, ich wage es also jetzt, Fotos einzufügen, für alle auf dieser Seite gilt das (C) Andreas Götz.




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10. März 2017

Biennale 2017 - Nebenausstellungen in der Stadt

2013, Nebenausstellung im Palazzo Contarini-Polignac
Einer der beiden Landeingänge des Palazzo
Erster Eintrag zum Thema "eventi collaterali", Nebenausstellungen. Bisher hat die Biennale noch keine Liste veröffentlicht, und es gibt immer Ausstellungen , die sowohl völlig unabhängig von der Biennale gezeigt werden, als auch derart kurzfristig anberaumt und gezeigt werden, dass sie in keinem Werbemedium mehr auftauchen. 

Nebenausstellungen in der Stadt finden häufig in Gebäuden und Räumen statt, die an sich schon interessant sind, weil sie nur anlässlich einer solchen Vermietung für eine Ausstellung für das Publikum zugänglich sind und danach möglicherweise jahrelang oder überhaupt nicht mehr. Im Palazzo Soranzo van Axel stellte 2007 Mexico aus, bevor er komplett renoviert und verkauft wurde, 2011 konnte man vor seiner Konvertierung zum Luxushotel den ganzen Palazzo Papadopoli besichtigen, 2012 und 2013 stellte Mexico in San Lorenzo aus, bis dahin jahrzehntelang und seither wieder verschlossen, 2015 hatte ich zum erstem Mal das Glück, den Palazzo Barbaro anlässlich einer Sonderausstellung von Azerbaidjan zu sehen. Um nur einige Beispiele zu nennen. 


2013, Nebenausstellung im damaligen Sitz der Fondazione Gervasuti
Handwerkerhof beim ponte S. Gioacchino in Castello
Weitere, noch unbekannte venezianische Gebäude kennenzulernen ist EIN Reiz für Venedig-Appassionati, das Zusammenspiel der alten Räume mit der ausgestellten Gegenwartskunst, teilweise spezifisch konzipiert, ist ein anderer. Diese Kombinationen sind nur einmal und unwiederholbar zu sehen. 

Aber auch offene Räume der Stadt erhalten durch Nebenausstellungen einen speziellen und einzigartigen neuen Aspekt, wie z. B. anlässlich der Archtikturbiennale 2014 der Campo vor S. Giorgio Maggiore durch "The sky over 9 columns" von Heinz Mack.


2013, Nebenausstellung an der Marina von S. Giorgio Maggiore

Im Stadtbild von 2017 erwarten wir "The Golden Tower", eine ca. 20 m hohe goldene Säule von James Lee Byars auf dem Campo S. Vio. Der Campo liegt vor dem Palazzo Cini der Nähe des Palazzo von Peggy Guggenheim und ist auch während der Vorbeifahrt auf dem Vaporetto gut vom Canal Grande aus zu sehen. Haltestelle Accademia.

An der Fondamente Zattere, auf Höhe der Denkmaltafel für Joseph Brodsky, wird im Sommer eine Art Replik des Lenin-Mausoleums vom Mokauer roten Platz am Ufer schwimmen, Erinnung an die russische Revolution 1917. (Ich weiss nicht, ob Brodsky dieser Gebrauch seiner Lieblingsstätte begeistert hätte, aber ich denke, die Installation wird beeindruckend sein.) Haltestellen Zattere und Spirito Santo.


2013, Nebenausstellung Marc Quinn im Squero auf  S. Giorgio Maggiore,
heute Auditorio "Lo Squero"

Schottland zeigt "Spite Your Face" der Filmkünstlerin Rachel Maclean in der ehemaligen Klosterkirche Santa Catarina. Die Kirche ist Teil einer Mädchenschule und war viele Jahre nicht zugänglich, zur Kunstbiennale 2015 wurde sie zum ersten Mal für eine quasi unbeleuchtete Ausstellung vermietet, zur Architekturbiennale 2016 wieder, ein bisschen aufpoliert (aber keineswegs renoviert) und mit etwas Licht versehen. Maclean schafft Werke eigens für diesen Raum. Der dunkle Kirchenraum hat eine ungewöhnliche und sehr spezifische Stimmung. Man sollte jede Gelegenheit nutzen, sie zu erfahren.
Und: es gibt wieder schottische Student*innen/Praktikant*innen, die immer mit großer Freundlichkeit zu Gesprächen über Kunst, Gott und die Welt aufgelegt sind. Mehr zu den 3 britischen Ausstellungen. Haltestelle Fondamente Nove und Ca' d'Oro.


Der Künstler James Richards vertritt Wales, das wieder in der ehemaligen Kirche S. Maria Ausiliatrice ausstellt. Mehr dazu. Wales neigt zu Filmbeiträgen, weshalb der sehr schöne Altar, vor allem das Relief unter dem Altartisch, normalerweise im Dunkeln nicht zu sehen ist. Dem wird hier abgeholfen (und die folgenden Filme der letzten Ausstellungen sind ebenfalls interessant zu sehen). Die Kirche ist Teil eines ehemaligen Klosters, das heute als Wohnheim für Studierende (nicht zugänglich) und als Ludothek genutzt wird und stark umgestaltet wurde. Einen Teil des 2. Kreuzgangs kann man 'hintenrum' durch den Eingang zur Ludothek sehen. Mehr zu den 3 britischen Ausstellungen. Haltestelle Arsenale und Giardini.


2013, Nebenausstellung Ai Wei Wei "Disposition"
in Gebäude der Zitelle, Giudecca

Ein sehr beeindruckender Ausstellungsraum ist der Palazzo delle Prigioni (die neuen Gefängnisse), der durch die "Seufzerbrücke" mit dem Palazzo Ducale verbunden ist. Hier stellt Taiwan aus, von 1995-2000 als Nation, durch den neuen Status in Bezug auf die VR China wurde der nationale Pavillon 'herabgestuft' auf eine Nebenausstellung, was bisher weder die Qualität der Kunst noch die der Location gemindert hat. Taiwan zeigt unter dem Titel "Doing Time" Werke von Tehching Hsieh. Mehr dazu. Noch mehr dazu.
Die Ausstellungsräume befinden sich im Obergeschoss, in den ehemaligen Amtsräumen der "Signori di notte", mit mächtigen und hohen Mauern, Wappen und Ritzgraffitti. Aus dem Treppenhof Ausblick in den Innenhof der neuen Gefängnisse. Die Zellen im Wassergeschoss kann man nur mit dem Rundgang durch den Dogenpalast, nach der Überquerung der 'Seufzerbrücke', besuchen. Unbedingt sehenswert. Haltestelle San Marco/San Zaccaria.


Der Piano nobile des Palazzo Michiel del brusà am Canal Grande wird vermietet an die Ausstellung Venice Design 2017. Mehr zum Palazzo, 1774 abgebrannt (daher der Name del brusà), Stammsitz der Familie Michiel, die der Serenissima 3 Dogen schenkte: Vitale I, Domenico und Vitale II. Räume und Balkonaussicht der Ausstellung sind sehenswert, aber besonders gefällt mir die Atmosphäre und Aussicht in der niedrigen Halle im Parterre zum Canal Grande mit ihrem schönen Brunnenkopf. Ideal für eine kontemplative Pause. Eingang von der Strada nova. Haltestelle Ca' d'Oro.
2013, Oratorio S. Ludovico
Vom Oratorio San Ludovico stehen nur noch die Außenmauern und das Dach. Der Raum enthält nichts mehr von seiner ehemaligen Ausstattung (na gut, ein Altarrahmen!) und ist eigentlich so schlicht, dass man fast erschrickt. Trotzdem ist das ehemalige Oratorio geeignet für kleine Ausstellungen und wird jährlich genutzt. Vom 13.5.-1.8. findet hier eine Phase des Langzeitprojekts "One Million Years" des Künstlers On Kawara statt. 
(Das Oratorio San Ludovico ist einer der Schauplätze des Venedig-Romans von Salley Vickers "Miss Garnet und der Engel von Venedig.)
Haltestelle S. Basilio, in einer Sackgasse, die rechts von der Fondamenta S. Sebastiano abgeht.

Libanon stellt zwar im Arsenale aus, aber im Arsenale Novissimo, jenseits des kostenpflichtigen Arsenalegeländes auf der anderen Seite des Arsenalebeckens. Im Juni 2016 wurde als Location für die Ausstellung "Sacrum" des Künstlers Zad Moultaka die Kirche S. Maria della Misericordia genannt, die aktuelle Information ist allerdings die Tesa 100 mit der Ausstellung "At the beginning was Jeita". Die riesigen Ausstellungshallen, restaurierte ehemalige Gebäude der venezianischen Schiffbauindustrie sind zu erreichen über die Haltestellen Celestia und Bacini (die Rede ist vom rot umrahmten Bereich. Der dunkle Bereich ist der nicht öffentliche Teil des Verteidigungsministeriums, der dunkel umrahmte Bereich der unteren rechten Hälfte des Geländes ist das offzielle Biennale-Gelände, zahlungspflichtig).


2013, Nebenausstellung "Alice Lapper Pregnant" von Marc Quinn
Campo S. Giorgio Maggiore
Der Future Generation Art Prize ist kein Teil der Biennale, die Gewinner*innen des jährlichen Wettbewerbs des PinchukArtCenters und der Victor Pinchuk Foundation werden aber jeweils als offizielle Nebenausstellung in einem exquisiten Palazzo am Canal Grande ausgestellt.
In diesem Jahr ist dies wieder der Palazzo Contarini Polignac neben der Accademiabrücke, ein unbedingt sehenswerter Bau der Frührenaissance mit Innenhof und schönen Details wie z. B. einem Halbmezzanin in der rechten Gebäudehälfte. Mehr zum Palazzo und seiner ehemaligen Bewohnerin Winetta Singer.
Das Gebäude ist z. T. bewohnt, aber auch venezianisches Büro von SAVE VENICE und der Rosand Bibliothek und wird jeweils nur kurzfristig für Ausstellungen und Veranstaltungen vermietet.
Eine interessante politische Meinung zu Victor Pinchuk aus der SZ vom 4.1.17.
Ergänzung 18.3.: Gewinner des Future Generation Art Prize 2017.

Nur vom 8.-28.6. gibt es im Palazzo Ca' Nova (den ich bisher nicht kenne) eine Einzelausstellung ausem Archiv der amerikanischen Künstlerin Carol Rama: "Spazio anche più che tempo" - Raum sogar mehr als Zeit. Ich habe keine Vorstellung, ob die Räume dieses Gebäudes interessant sind, ausprobieren! Corte Barozzi zwischen den vielen Hotels am Ausgang des Canal Grande, Haltestelle Vallaresso und dann links halten.


2013, Nebenausstellungsräume im Palazzo Michiel del brusà am Canal Grande
Im Palazzo Mora an der Strada Nova in Cannaregio findet wieder die Nebenausstellung "Personal Structures" der niederländischen GAA Foundation statt. (Vorsicht mit der offiziellen Website: die Fotos zeigen nicht den Palazzo Mora.) GAA organisiert jährliche Gruppenausstellungen unter Kostenbeteiligung (12.000 €) der ausstellenden Künstler*innen.
Das mehrstöckige Doppelgebäude ist unbewohnt und wird vom Vorgarten bis unters Ziegeldach für Ausstellungen genutzt, die Verschiedenartigkeit der Räumlichkeiten sind an sich schon ein Abenteuer.
Über einzelne Teilnehmer*innen der Sammelausstellung habe ich bisher foglende Informationen:
Sara AL Haddad und Anna Friemoth
Manfred Kielnhofer KILI und nochmal 20.3.
Jane Fulton Alt

Die zweite Location von "Personal Structures" ist wieder der Piano Nobile des Palazzo Bembo mit seiner wunderbaren Fassade am Rialto. Andere Etagen des Hauses werden als Hotel genutzt, die Ausstellungsräume enthalten leider kaum noch Teile alter Ausstattung (z. B. einen schönen Terrazzoboden). Aber man hat vom Balkon einen interessanten Blick auf das Gewühl und den enormen Verkehr an der Rialtobrücke. Details zum Gebäude
Zu den Teilnehmer*innen der Gruppenausstellungen habe ich bisher folgende Details:
Paul David Redfern
Christine Dixie

2013, Nebenausstellung  von Antonio Nocera "I libri d'acqua"
im Kreuzgang des ehemaligen Klosters S, Nicolò, Lido
Auch im Palazzo Corner Spinelli finden zwei Gruppenausstellungen (vom 9.5.-8.8. und vom 1.9.-8.11. statt, veranstaltet von der Schweizer NGO Kulturinstitution Arte Ponte. Über diese Ausstellungen konnte ich bisher keine Details in Erfahrung bringen. Details zum Palazzo, der Sitz der Seidenmanufaktur Rubelli und im Besitz der Familie Rubelli ist. (Traditionsstoffe von Rubelli liegen zur Besichtigung über den Brüstungen des Fondaco dei Tedeschi.) Ich war noch nie in diesem Haus und bin sehr gespannt. Haltestelle S. Angelo.

Eine weitere Gruppenausstellung gibt es im Palazzo Pisani bei S. Marina (von dessen Fenstern man einen tollen Blick auf den jahrelang renovierten Palazzo Soranzo van Axel hat). Die Sache nennt sich Diaspora Pavilion, ein etwas rätselhafter Titel - Diaspora ist griechisch für "Aufspaltung", und es gibt eine quasi religiöse Bedeutung des Wortes; in diesem Fall scheint es sich um junge Künstler*innen zu handeln, deren Auftritt von Mentoren betreut wird.
Ich habe in diesem Haus schon Ausstellungen in der Eingangshalle gesehen; immer aber wird das oberste Stockwerk vermietet, was eine Menge steiler Treppen bedeutet (und eben den schönen Ausblick), nichts für Menschen mit Gehbehinderung. Eine Gruppenausstellung kann eigentlich nur oben untergebracht sein. Haltestelle Rialto und Ospedale.

Ein Haus, das zum ersten Mal für eine Ausstellung geöffnet ist: die Palazzina Canonica an der Riva dei sette martiri, dem früheren Sitz des Instituts für Meereswissenschaft (CNR-ISMAR), jetzt im Arsenale. Die Palazzina ließ sich der Künstler Pietro Canonica 1911 als Privathaus bauen. Das Filmprojekt von Shezad Dawood heißt "Leviathan", gezeigt werden 3 Teile einer 10teiligen Filmserie. Mehr dazu.



Eintrag wird fortgesetzt.

Ich biete BEGLEITUNGEN in Venedig an, auch zu den vielen Einzelausstellungen - national oder kollateral - die ab Mai überall in der Stadt öffnen, teilweise in Gebäuden, die normalerweise keine Besucher*innen empfangen. Für Venedig-Appassionati immer wieder eine spannende Sache. Und ein besonderes Kunsterlebnis: ungewöhnliche alte Strukturen beherbergen neue Kunst, die teilweise sogar eigens für den Ausstellungsraum konzipiert wurde. Wer an meinen Diensten interessiert ist, nimmt bitte Kontakt auf über einen Klick auf "Begleitung in Venedig", Ecke rechts ganz oben.


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28. Februar 2017

Venezianisches Tagebuch 1650 - carne vale


Blicke in das Tagebuch des deutschen Benediktiners Gabriel Bucelin, als Historiker zu einem Arbeitsaufenthalt 1649-50 im Kloster S. Nicoló di Lido, konnte man bereits werfen in den Einträgen vom 8.12.2015 
und vom 1.1.2016 



Carnevale und Aschermittwoch widmet der Pater nur wenige Zeilen.


28. Februar 1650
Ich feiere den Carnevale in Venedig, im Kloster von S. Nicolò di Lido. Ich bin erstaunt über die Methode, zur gleichen Zeit zu fasten und essen: während wir zum Mittagsmahl zwei Teller Reis essen, risa, wie sie hier sagen, besser oriza, und zwei Eier, schlagen wir uns nachts die Mägen voll mit großen Mengen von Speisen jeder Art.

1. März 1650
Venedig. Letzer Tag des Festes Carnevale; fulminantes nächtliches Bankett, wirklich köstlich.
Ich bin sehr erstaunt über die äußerst verschiedenen Arten, Gerichte zuzubereiten und zu würzen, die man (in Deutsch-
land
) unendlich schätzen würde.


2. März 1650
Aschermittwoch. An diesem Tag, wie an den zwei folgenden Tagen, sitze ich fest im Kloster S. Nicolò di Lido, denn wegen des gewaltigen Sturms und Wellengangs konnte ich auf keine Art mit dem Boot von der Insel nach Venedig kommen.
Also erzähle ich inwzischen, pflichtgemäß und mit Leidenschaft, weiter die Geschichte Venedigs und forsche nach Informationen, die vom Ruhm und der Ehre des Benediktinerordens berichten.


Aus: Gabriel Bucelin OSB, Diario Veneziano 1649-1650, Edizioni Scritti Monatici, Abbazia di Praglia 2013, nur erhältlich im Kloster S. Giorgio Maggiore in Venedig (am Eingang zum Campanile).
Übersetzung des Tagsbuches aus dem Lateinischen ins Italienische: Gianna Cazzagon, aus dem Italienischen für diesen Eintrag: ebbonn.

S. Nicolò di Lido, Ausstellung im Kreuzgang

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24. Februar 2017

Biennale 2017 - Nationalpavillons in der Stadt

2013, Elfenbeinküste, Associazione Spiazzi

Mit diesem dritten Teil werden die ersten beiden Blicke zur Kunstbiennale 2017 fortgesetzt:
nach der Vorausschau auf die Ausstellungen in den Giardini und im Arsenale folgen jetzt die nationalen Auftritte im Stadtgebiet. Mit den fortschreitenden Restaurierungen finden mehr Länder dauerhafte Unterkunft in den Arsenalegebäuden und sind nicht mehr auf järlicher Wanderschaft von einer Location zur nächsten - obwohl gerade das ja auch einer der besonderen Reize der Biennale in Venedig ist. 

Aber der Genuss ungeöhnlicher Ausstellungsorte geht nicht verloren: sogenannte collaterale, also Nebenausstellungen der Biennale und andere Auftritte, die nicht das Logo der Biennale im Schild führen dürfen, erhalten uns BesucherInnen die Wanderschaft durch die Gassen und zu manchmal sehr erstaunlichen Ausstellungsräumen. Dazu wird es in Kürze einen vierten und letzten Vorschaueintrag geben.


2011, Kuba, auf San Servolo
Diesmal geht es alphabetisch weiter, enthalten sind
Andorra
Angola
Antigua und Barbuda
Armenien
Azerbaijan
Belarus
Bolivien
Bosnien und Herzegovina
Elfenbeinküste
Estland
Grenada
Guatemala
Iraq
Island
Kasachstan
Kenya
Kiribati
Kuba
Litauen
Luxemburg
Makedonien
Mongolei
Montenegro
Nigeria
Portugal
San Marino
Seychellen
Syrien
Thailand
Ukraine
Zimbabwe
Zypern 

...und nicht für alle gibt es derzeit schon die Neugierde befriedigenden Informationen, aber massenweise abwechslungreiche und spannende Links. Meine Suche nach deutschsprachigen Vorstellungen der vielen Künstler*innen war nicht oft erfolgreich, aber manchmal eben doch.



2011, Moldova, Squero Tramontin bei S. Trovaso
Andorra stellt im Komplex hinter S. Maria della Pieta aus, mehrere Gebäude, die miteinander verbunden bzw. um einen Innenhof angeordnet sind. Über das Ausstellungsprojekt "Murmuri" finde ich leider nichts, über die Künstlerin Eve Ariza  eine Website zum Werk ohne Hinweis auf ihre Biennaleausstellung und ein älterer Blog. Wird ggfs. ergänzt. Haltestelle S. Zaccaria.

Angola ist noch nicht ganz so weit. Der Ausstellungsort ist noch nicht bekannt und es gibt keine Website zum Titel der Ausstellung "Magnetic Memory / Historical Resonance" (beim Googeln gibt es allerdings eine Menge zum Thema Magnetresonanz...). Zum Künstler José António Olivera findet sich unter António Olé immerhin eine Biografie und Interessantes zum Werk.

Antigua und Barbuda haben ihren ersten Biennaleauftritt, Glückwunsch und viel Erfolg!, und zwar im Zentrum Don Orione an den Zattere. Die Ausstellung ist Frank Walter, The Last Universal Man gewidmet und das klingt schon spannend genug. Im Mai erscheint eine Monographie zu Frank Walter. Haltestelle Zattere.

Armenien ist - erfreulicherweise - in diesem Jahr wieder Gast im Palazzo Zenobio, dessen Räume in den letzten Jahren nicht genutzt wurden (wegen der Kunst-Sommerkurse nicht zur Verfügung standen?). Wenn, wurde im ehemaligen Bibliotheksgebäude und im alten Waschhaus des Palazzo ausgestellt. Ich weiss nicht, in welchen Räumen ausgestellt wird, wunderbar wäre natürlich das Hauptgebäude mit dem Ballsaal. Und hoffentlich steht der ungewöhnliche und große Garten während des Sommers Besucher*innen und Nachbarschaft offen. Zweiter Ausstellungsort ist die Kirche der armenischen Gemeinde, Santa Croce degli Armeni, wenige Schritte hinter dem Markusplatz. Ausstellende Künstler sind Jean BoghossianRafael Megall und Miro Persolja. Bisher gibt es keine Website der armenischen Ausstellungen, wird ergänzt. Haltestelle S. Basilio (für den Palazzo Zenobio) und Vallaresso (für die Kirche S. Croce degli Armeni).


2011, Andorra, seltenst geöffnete Kirche S. Samuele
                                                                                                                                                                    Azerbaijan ist auch noch nicht soweit. Wer sich an die letzte Kunstbiennale erinnert: zwei collaterale Ausstellungen gab es in Palazzi am Canal Grande, die nationale Ausstellung im Palazzo Lezze am Campo S. Stefano. Letzteres ist auch 2017 der Fall, mehr ist noch nicht bekannt. Wird ergänzt.  

Die Republik Belarus stellt an der Fondamenta S. Giuseppe aus, ein paar Schritte vom Eingang der Giardini entfernt. Dies ist ein reines Wohnviertel und ich bin gespannt auf die Location. Es werden Werke von Roman Zaslonov, Viktar Labkovich und Sergey Talybov zu sehen sein, mehr ist derzeit nicht zu erfahren. Haltestelle Giardini.

Bolivien nennt seine Ausstellung "Essence", keine Website, Ort bisher nicht bekannt. Aber die Künstler: Sol Mateo der in Berlin lebt, Jannis Markopoulos, dessen Website man leider nicht betreten darf, der auch in Berlin lebt und nicht identisch ist mit dem alten kretischen Komponisten Giannis Markopoulos, und José Ballivián. Noch ein bisschen mysteriös die Sache, aber ist aufgrund der Lage sicher bei den ersten 'externen' Ausstellungen, die ich aufsuchen werde.

Bosnien und Herzegovina stellt wieder im Palazzo Malipiero aus (ich vermute, in einer der rückwärtigen kleinen Gebäudeteile, wie schon 2013), das Austellungsprojekt "University of Desaster" wird gefördert von der Republik Serbien und entwickelt in Zusammenarbeit mit den Künstlern Roman Urjanek und Radenko Milak
Die letzte Besitzerin Anna Barnabo, auch des berühmten Gartens, verstarb vor einem knappen Jahr. Zumindest die Kanalseite des Palazzo befindet sich in Renovierung. Aber als Ausstellungsbesucher*in hatte man auch bisher keinen Zugang zum vorderen Teil des Hauses und zum Garten. Haltestelle S. Samuele.


2011, Luxemburg, Ca' del Duca
Elfenbeinküste: Ausstellungsort noch nicht bekannt. Ausstellende Künstler*innen: Joachim Silue, Ouattara Watts, Jems Koko Bi, Joana Choumali, Raimondo Galeano.

Estland hat seinen Pavillon wieder im Palazzo Malipiero, vertreten durch die Künstlerin Katja Novitskova. Haltestelle S. Samuele.

Grenada stellt in einem Gebäude mit schönem grünem Innenhof aus, an der Fondamenta Zattere Ai Saloni 417, zwischen der Haltestelle S. Spirito (nur Linie 6) und der Brücke an den Magazini di Sale. Die Ausstellung trägt den Titel "The Bridge" und scheint seit Oktober 2016 zu existieren. Katalog. Performance.

Guatemala hat zwar eine Biennale-Website, aber noch nicht auf 2017 akualisiert. Die Ausstellung "La Marge" hat ihren Sitz im Palazzo Albrizzi in Cannaregio, dem Sitz des Deutsch-Italienischen Kulturinstituts und der dazu gehörigen Sprachschule. Das Haus ist gut gepflegt und sehenswert, viele kennen es als Besucher*innen von Ausstellungen, Konzerten, Carnevalsdiners. Ausstellende Künster*innen sind Cesar Barrio, Lourdes de la Riva, Arturo Monroy, Andrea Prandi, Erminio Tansini, Elsie Wunderlich, El círculo mágico. Haltestelle Ca' d' Oro.

Iraq kommt mit einem hochinteressanten und sehr speziellen Auftritt: "Archaic": 40 Exponate aus dem Nationalmuseum, die großenteils noch nie das Land verlassen haben, werden 8 modernen oder zeitgenössischen Künstler*innen gegenüber gestellt. Dazu die NY Times. Dazu The Guardian. Dazu ArtDaily.


2011, Bangladesh, Fondazione Gervasutiin Castello,
mittlerweile nach Cannaregio umgezogen
Island, bei der Biennale 2015 mit seiner "Moschee" des Schweizers Christoph Büchel schnell aus dem Verkehr gezogen, lässt mit dem isländischen Künstler Egil Saebjörnsson zwei Trolle aufmarschieren. Das sind nicht die ersten Trolle, die biennalemäßig nach Venedig reisen, schon 2007 waren (angeblich) einige anwesend. Ausgestellt wird im Spazio Punch, in den weiten Räumen der Ex-Brauerei auf der Giudecca. Haltestelle Palanca, dann rechts bis zur Ausschilderung.
Siehe auch "Island groovt" und "Island im Rückblick", Biennale 2009, "Und wieder Island!", Biennale 2011, "SS 'Hangover'", Biennale 2013. Verantwortlich für die kreativen isländischen Auftritte ist das Icelandic Art Center (Liste!).   

Kasachstan: Informationen fehlen bisher, werden ergänzt.

KeniaEin Kickstarterprojekt, das für Kenia antreten sollte (wollte), hat es nicht geschafft.
Nun ist auf der Biennale-Website angekündigt "Another Country", als ausstellende Künstler*innen sind genannt Richard Kimathi, Arlene Wandera, Peterson Kamwathi, Paul OnditiIngrid Mwangi und Robert Hutter. Das scheint eine entschiedene Auswahl einheimischer Künstler*innen zu sein, nachdem das Land kurz vor Biennalebeginn 2015 ausgestiegen war: die kenianische Ausstellung war von italienischen Kurator*innen mit chinesischer Kunst bestückt worden. Vermutlich über Galerien, die für den verkaufssteigernden Biennaleauftritt ihrer Schützlinge angemessen gezahlt hatten. Ausstellungsort für Kenia ist noch nicht bekannt, und ich bin sehr gespannt. 


2013, Kenia in der Polizeikaserne an der Riva Schiavoni
Kiribati stellt sich zum ersten Mal in Venedig vor mit dem schönen alten Spruch "Ars longa, vita brevis" ergänzt durch "Sinking Islands, Unsinkable Art". Ausgestellt wird im Palazzo Bembo an der Rialtobrücke, dessen großartige Fassade trügt: bis auf ein paar Terrazzoböden ist das Haus sozusagen grundüberholt, ein Teil umfunktioniert als Hotel, ein Teil als Ausstellungsräume. Ich bin gespannt. Haltestelle Rialto.

Kuba hatte 'seinen' Biennalesitz jahrelang auf der Insel S. Servolo und zieht jetzt an den Canal Grande, in den Palazzo Loredan dell' Ambasciatore. Dort steht für Ausstellungen der Androne im Wassergeschoss und der kleine Garten mit hohen alten Bäumen zur Verfügung. Das Landtor ist schwer zu finden, wenn nicht gut ausgeschildert. Die schwer männerlastige künstlerische Belegschaft besteht aus Abel BarrosoIván CapoteRoberto DiagoRoberto Fabelo, José Manuel ForsAimée GarcíaReynier Leyva NovoMeira Marrero, José Ángel ToiracCarlos MartielRené PenaMabel PobletWilfredo PyrietoEsterio SeguraJosé Eduardo Yaque und scheint trotzdem sehr spannend zu sein. Haltestelle Ca' Rezzonico und Accademia.

Litauen zeigt unter dem Titel "R" Werke von Zilvinas Landsbergas in der ehemaligen Bruderschaftshaus delle Sante Stimmate neben San Francesco de la Vigna, später Scuola San Pasquale Bayon. Bereits zum zeiten Mal: ein schönes Bruderschaftsgebäude aus dem Jahr 1603, das nur selten für Ausstellungen geöffnet wird. 


2011, Litauen, Eingangshalle der Scuola S. Pasquale
neben S. Francesco della Vigna
Luxemburg hat seinen Sitz wie immer im Wassergeschoss der Ca' del Duca, in der bauhistorisch nicht mehr viel zu sehen ist, eine ganz kleine freskenschmückte Säule vielleicht. Zu sehen gibt es eine Einzelausstellung "Thank you so much for the flowers" von Mike Bourscheid, könnte witzig sein. Und, ebenfalls wie immer, die schöne Treppe, die in den Canal Grande ragt, auf der man während eines Sitzpäuschens beobachten kann, wie der Verkehr fließt. Buchstäblich. Haltestelle S. Samuele und Accademia.

Makedonien stellt unter dem Titel "Red Carnival" ein Konzept Künstlers Tome Adzievski aus. Zentrale Objekte sind Teil eines James-Bond-Film und quasi als Skulptur der BMW aus dem Film. Lassen wir uns überraschen. Leider ist den Informationen nicht der Ausstellungsort zu entnehmen...!

Die Mongolei war viele Jahre Teil der jedes Mal sehr beeindruckenden Gruppenausstellung "Zentralasien". Seit 2015 präsentiert sich das Land alleine, jetzt mit dem Projekt "Lost in Heaven". Die beteiligten Künstler*innen sind Chimeddorj Shagdarjav, Enkhtaivan Ochirbat, Munkhbolor Ganbold, Bolortuvshin Jargalsaikhan und Davaajargal Tsaschikher. Austellungsort ist das Ufer der Sette Martiri in der Nähe der Vaporettohaltestelle Giardini. Haltestelle Giardini.

Montenegro stellt wieder im Hinterhaus des Palazzo Malipiero aus. Vor 10 Jahren waren die Räume noch so krumm, dass einem schwindlig wurde, mittlerweile wurden Fussböden und Wände begradigt, Butzenscheiben eingebaut. (Weiteres unter Bosnien Herzegowina). Ivana Radovanovic und Adin Rastoder präsentieren ihr Projekt Covjek - Uomo - Human. Haltestelle S. Samuele.


2011, Cypern, Hof des Hinterhauses Palazzo Malipiero
Nigeria freut sich am 29.1. in einem Artikel des Guardian auf seinen ersten Biennale-Auftritt in Venedig. Ort ist die Via Garibaldi 1814 (Art Space) gegenüber dem Garibaldi-Denkmal und der Allee, die zu den Giardini führt, in anderer Richtung zum Arsenale. Ideal. Peju Alatise, Victor Ehikhamenor, Qudus Onikedu, Wana Udobang sind die Künstler*innen für Nigeria. Und noch ein interessanter Artikel vom 12.2.17 und vom 22.3.. Haltestelle Arsenale und Giardini.

Portugal wird vertreten von José Pedro Croft, sein Projekt heisst "Medida Incerta" - Unsichere Maßnahme. Ich finde bisher keine Details darüber. Als Ausstellungsort wird bisher nur 'Giudecce' angegeben, das wird sicher spätestens im Mai noch klarer.

San Marino kooperierte bei der Kunstbiennale 2015 in einem "Friendship Project" mit China (in den Kreuzgängen von S. Stefano). Für 2017 und 2019 wurden Friendship Projects mit Russland bzw. den USA angekündigt. Obwohl auf der Website der Biennale aufgeführt, sind keine Details zu finden (auch nicht auf der Staatsseite von San Marino). Geduld.
17.3.: jetzt gibt es Details. Auch dieses Friendship Project ist wieder eine Kooperation mit China. Interessante Ausstellungsorte: Ateneo Veneto (die ehemalige Scuola S. Fantin neben dem Teatro La Fenice), der Palazzo Rota Ivancich bei S. Maria Formosa (nach den Fotos zu urteilen in renoviertem Zustand), der Palazzo Giustiniani Recanati (restauriert?) und das Kulturzentrum Don Orione, beide an den Zattere. Zumindest ein Teil der ausstellenden Künstler*innen haben schon bei den Ausstellungen von 2015 mitgewirkt.


Die Ausstellung der Seychellen wird wieder von Seychelles Artprojects Foundation organisiert oder unterstützt, die bisher noch keine Details für 2017 veröffentlicht hat. Abwarten also.

Auch für Syrien, das wieder auf S. Servolo ausstellt, finde ich noch keine Details außer dem Titel der Veranstaltung: "Everybody admires Palmyra's Greatness". So ist es, und unter den gegenwärtigen Bedingungen hat die Gegenwartskunst wohl nur marginale Chancen in Syrien.

Thailand nennt seinen Biennaleauftritt "Krung Thep Bangkok" und ich vermute, es geht um den Namen der Hauptstadt Krung Thep Maha Nakhon. Gezeigt wird eine Einzelausstellung des Münchner Künstlers Somboon Hormtientong in der Terrassenbar Paradiso am Ufer der Giardini.


2013, Ukraine im Palazzo Loredan
Tibet, erfahre ich aus etwas unsicherer Quelle, zeigt seinen nationalen Biennaleauftritt vom 13.5. bis 10.8. im Palazzo Zenobio (siehe oben, Armenien). Mehr ist momentan nicht zu erfahren. Dazu kommt, dass angekündigte Tibet-Beteiligungen nicht stattfanden oder nur sehr kurz um den 6.7. herum, dem Geburtstag des Dalai Lama, ohne dass das verständlich kommuniziert worden wäre. Dies ist also keine verlässliche Information.

Die Ukraine zeigt zentral das ein Werk aus dem Jahr 2014 des Fotographen Boris Mikhailov aus unter dem Titel "Parlament". Ausstellungsort ist Cannaregio 1345/D beim Campo S. Leonardo, spontan fällt mir nichts zu diesem Gebäude ein. Überraschung! Haltestelle S. Marcuola und Guglie.

Zimbabwe nimmt zum 4. Mal an der Biennale teil, jedesmal in der gleichen Location im Istituto S. M. della Pietà (Fahrstuhl!) und jedesmal hat mich die Kunst aus Zimbabwe überwältigt. Welche Themen, welche Kunstformen und Materialien auch immer, die Kraft der meisten dieser Künstler*innen ist aus meiner Sicht überzeugend. Das diesjährige Thema "Deconstructing Boundaries: Exploring Ideas of Belonging" macht sofort neugierig, und wieder sind mehrere Künstler*innen beteiligt: Sylvester Mubayi und mehr zu ihm, Charles Bhebe, Dana Whabira und Admire Kamudzengerere. Nach 4 Besuchen: ich empfehle Zimbabwe! Haltestelle S. Zaccaria.

Zypern, das viele Jahre im Palazzo Malipiero ausstellte, sitzt in diesem Jahr im schlichten Spiazzi, an der Brücke, die von S. Martino nach Westen (links) führt. Der Künstler Polys Peslikas zeigt in einer Einzelausstellung "The Future of Colour". Haltestelle Arsenale und S. Zaccaria.

An diesem Eintrag wird wegen der vielen Lücken weitergearbeitet.


2011, Zimbabwe, Misheck Masamru, Istituto S. M. della Pietà


Ich biete BEGLEITUNGEN in Venedig an, auch zu den vielen Einzelausstellungen - national oder kollateral - die ab Mai überall in der Stadt öffnen, teilweise in Gebäuden, die normalerweise keine Besucher*innen empfangen. Für Venedig-Appassionati immer wieder eine spannende Sache. Und ein besonderes Kunsterlebnis: ungewöhnliche alte Strukturen beherbergen neue Kunst, die teilweise sogar eigens für den Ausstellungsraum konzipiert wurde. Wer an meinen Diensten interessiert ist, nimmt bitte Kontakt auf über einen Klick auf "Begleitung in Venedig", Ecke rechts ganz oben.

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11. Februar 2017

Carnevale in Venedig 2017




Ich habe ein Karnevalsmail bekommen:
Hallo Brigitte, 
ich weiß, dass du als Bonnerin den Carnevale di Venezia eher mit Zurückhaltung siehst, wollte Dich aber trotzdem darauf hinweisen, dass das kulturelle Programm wieder Besonderheiten wie Führungen durchs Stadtarchiv, kostenlose tägliche Führungen durch Peggy Guggenheier im Teatro Malibran birgt. Vielleicht wäre der Hinweis darauf einen Beitrag in deinem Blog wert, da viele Reisende dieses alljährliche vielseitige Programm abseits der Veranstaltungen auf dem Markusplatz gar nicht kennen. 2013 habe ich so zB den Palazzo Pisani in einer italienischen Führung erkunden können und war in einem kostenlosen Alkan-Konzert des Pianisten Vincenzo Maltempo im Palazzetto Bru Zane. Ein ganz großartiges und einmaliges Angebot!

Liebe Grüße, K...

K. hat natürlich recht, mit dem großartigen Angebot wie mit der Vermutung, dass die meisten Jecken auf dem Markusplatz nicht wissen, was sonst noch in der schönsten Stadt vor sich geht, auch im Carnevale. Und ich weiss natürlich, dass ich in meiner Karnevalsabstinenz da einiges verpasse. Siehe auch Eintrag "Carnevale 2016", und da besonders den verlinkten Artikel von Dirk Schümer vom 7.2.2016. 
Da ich weiterhin keine Karnevalsexpertin mehr werde, folgt also auch in diesem Jahr eine unkommentierte Liste aus teils Gesamtprogrammen, teils Details, die ich persönlich spannend finden würde, wenn ich denn in Venedig wäre. Eine Führung im Stadt-, auch nicht im Staatsarchiv habe ich nicht gefunden. Wird ergänzt, falls doch noch.
Ergänzungen, Erfahrungen, Empfehlungen werden über die Kommentarfunktion oder als Mail erfreut angenommen und weiter verbreitet.




Offizielles Gesamtprogramm 2017
sortiert nach Veranstaltungsdatum

Kinderkarneval der Biennale di Venezia
Komplettes Programm als PDF (36 Seiten!)
Videos (Ergänzung 25.2.)

Kinderkarneval in den Städtischen Museen

12.2. Dogenpalast und 25.-28.2. im Museum Palazzo Mocenigo

28.2. Kinderkarneval in Malamocco, Porgramm siehe Plakat




11.-28.2. San Lio: Ausstellung "Vestire lo spazio". Stoffe, Farben, Düfte im Kirchenrau. Mit kostenlosem Führungsprogramm.

11.-28.2. Carnevale in der Peggy Guggenheim Collection. Programm und Angebote.

12.2. 11-11:45 Uhr Karnevalszug der venezianischen Ruderclubs ab Dogana durch den Canal Grande zum Canale di Cannaregio.  

14.-28.2. Teatro GoldoniProgramm für die Karnevalswochen.

18.2. "Musikalischer Weg" mit rumänischen Alphörnern zu drei Kultur- bzw. Bildungsinstitutionen Venedigs. Start um 12:30 Uhr im rumänischen Kulturinstitut, Campo S. Fosca; um 13:30 Uhr in den Kreuzgängen von S. Salvador (Telecom Future Center di Venezia) und 14:30 Uhr im Ateneo Veneto in der ehemaligen Scuola S. Fantin. Drei interessante Gebäude, ein schöner Mittagsspaziergan durchs Stadtzentrum. 

18.-27.2. Carnevale auf der Insel Burano. Gesamtprogramm auf englisch und auf italienisch (nicht ganz identisch).

18-28.2. Ausstellung der Bürgerinitiative 'Poveglia per tutti' im Palazzo delle Prigioni 'L'isola di Poveglia'. Gelegenheit, als Tourist*in ein bisschen mehr von deren Anstrengungen zu erfahren.



18.-28.2. Fondazione Querini Stampalia: Programm während des Carnevale.

18.-28.2. jeweils 10-13 Uhr, Archivio di Stato (Staatsarchiv neben der Frari Kirche): Ausstellung Karten und Kostüme, kostenlose Führungen.

19.2. 11:20 Uhr Ca' Giustinian:  "Die venezianischen Gärten - ein musikalisches Puzzle", Annette Schlünz. Uraufführung durch die Komponistin im Rahmen des Kinderkarnevals der Biennale. Eine Veranstaltung des Deutschen Studienzentrums Venedig.

19.2. 9:30 Uhr Karnevalszug der venezianischen Ruderclubs durch den Canal Grande von S. Marcuola zur Ca' Giustiniani (Sitz der Biennale , wo man auf der Uferterasse der Bar 'L'ombra del leone' seinen Morgenexpresso geniessen kann) und 10:30-10:50 Regatta zurück nach S. Marcuola.

23.-26.2. Romeo e Giulietta. Aufführung mit Publikumsbeteiligung durch die Räume des wunderbaren Palazzo Grimani. Eine Inszenierung des Teatro Stabile del Veneto Verona zum 500. Todestag William Shakespeares 2016. 

23.-26.2. Dogenpalast: Sonderöffnung täglich bis 22:00 Uhr. Ermäßigter Eintritt für Besucher*innen im Karnevalskostüm.

23.2. 20:00 Uhr Scuola Grande di San Giovanni Evangelista "Votez pour moi!. Politisches Lied mit der Gruppe La Clique de Lunaisiens. Eine Veranstaltung des Palazzetto Bru Zane.

27.2. Museum Torcello: Karnevalsermäßigung für alle Besucher. Ein wunderbarer Vorschlag, sich dem Massenrummel im Centro Storico zu entziehen.




Auf der Piazza San Marco präsentieren sich wieder Handwerker- und Kunsthandwerker*innen in Buden, die den früheren Marktständen der Feiertagsmärkte auf der Piazza nachempfunden sind (siehe unten). Da ich nicht selbst berichten kann, empfehle ich, den differenzierten Bericht im venezia blog vom Carnevale 2016 zu lesen. 

Sonderlinien während des Karnevals im Vaporettoverkehr
Fahrpläne
Routenplan
Zugverbindungen vom Festland zum Bahnhof Venedig S. Lucia





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